

Schweizerisches Zentrum für Stressforschung
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Hypnose gehört zu den ältesten Heilmethoden überhaupt und ist weder Glaube noch Aberglaube. Hypnose ist eine anerkannte wissenschaftliche Methode um Stressprobleme und Gesundheitsstörungen in psychischen und physischen Bereichen zu lindern und/oder zu beheben. Die Erfolgsquoten der Behandlungen sind sehr hoch, da es sich um das Wiederherstellen einer von der Natur gewollten, optimalen Struktur handelt.
Hypnotisierbar sind fast 90 Prozent aller Menschen, jedoch ist für einen Erfolg das innere Einverständnis von grosser Bedeutung.
Wir alle befinden uns täglich in so genannten hypnotischen Zuständen und jeder von uns kann sie kultivieren und für sich selbst nutzen oder anderen damit helfen.
Hypnose ist ein Zustand wohliger Entspannung, zwischen Wachsein und Schlafen. Das Zeitgefühl geht verloren, die Umwelt wird immer unwichtiger, aber der Geist ist sehr klar und konzentriert.
In diesem Zustand von neuronaler (nervlicher) Entspannung können wir unserem Körper wertvolle Impulse zur Selbstregulation und zur Heilung des gesamten Organismus vermitteln.
In der Hypnose werden wir mit uns selbst konfrontiert und finden den Zugang zum Wissen und zur unbegrenzten Lösungskreativität unseres Unbewussten. In diesem Zustand der Tiefenentspannung ist es möglich, persönliche Probleme zu lösen und positive Veränderungen einzuleiten. Hypnose ermöglicht einen Blick in die Geheimnisse unseres Unbewusstseins, dort wo unvorstellbare Kräfte verborgen sind, wo sich Liebe, Schönheit, Phantasie und das wirkliche Glück einig sind.
Alles was fasziniert und die Aufmerksamkeit eines Menschen festhält könnte als Hypnose bezeichnet werden. M.H. Erickson
Jeder Mensch ist täglich zweimal in einem hypnotischen Zustand: Abends, kurz vor dem Einschlafen, dann, wenn man sich noch an bestimmte Momente des Tages erinnern kann, oder morgens beim Aufwachen.
Wie in Trance
Diese Trancezustände sind auch tagsüber bekannt, so zum Beispiel bei der Lektüre eines spannenden Buches, beim Musikhören, wenn wir fasziniert in das Geschehen eines Filmes mit einbezogen werden, oder evtl. auch beim Autofahren auf der Autobahn. Dann, wenn man sich fragt, was habe ich eigentlich in den letzten zehn Minuten getan? Dann, wenn wir automatisch regieren – und mit den Gedanken ganz woanders sind, eben „wie in Trance“.
Obwohl das Verfahren zu den ältesten Therapien der Welt gehört, können selbst Experten diese Frage nicht genau beantworten. In verschiedenen Studien haben Forscher der Universität Jena untersucht, was sich im Körper von Menschen abspielt, die sich in diesem merkwürdigen Zustand zwischen Wachen und Schlafen befinden. „Unsere Arbeiten zeigen, dass selbst bei starken Reizen kein Alarm in den verantwortlichen Hirnregionen
ausgelöst wird“, erklärt Prof. Miltner. Das heißt, starke Schmerzen werden einfach ausgeblendet. Und das gilt nicht nur für den Zustand der Trance, sondern wirkt auch langfristig bei chronischen Schmerzen. Hier wirkt die Überredungskunst zweifach: Die Schmerzübertragung wird gestoppt, und gleichzeitig steigt die Produktion schmerzlindernder Hormone an“, erklärt Dr. Wolfgang Blohm, Klinikchef der einzigen deutschen Hypnoseklinik in Riddorf. Die Erfolgsquote bei chronischen Leiden wie Migräne, Rückenschmerzen oder Krebsschmerz: 70 bis 80 Prozent.
Nicht nur Schmerzen werden ausgeschaltet.
In Trance werden jedoch nicht nur Schmerzen ausgeschaltet – ein geübter Therapeut kann sogar sämtliche Körperfunktionen beeinflussen. Welch unglaubliches Potenzial in diesem Verfahren steckt, zeigt das Münz-Experiment der Sorbonne-Universität in Paris: In Trance legte man einer Frau eine Münze auf den Arm, suggerierte ihr, das Geldstück sei siedend heiß. Sie spürte nichts, doch als man sie wieder zurückholte, bildete sich sofort eine Brandblase. Genauso beeindruckend ein weiterer dokumentierter Versuch: In Trance wurde einem Mann eine Nadel durch die Haut am Unterarm gestochen. Nach Herausziehen der Nadel konnte man der Testperson befehlen, dass kein Blut aus den Wunden fließt. Dann aber wies der Arzt ihn an, das Blut abwechselnd an der Ein- und der Austrittsstelle der Nadel herauskommen zu lassen – und zwischendurch sogar zu stoppen. Selbst bei Allergien hilft Hypnose. Die wissenschaftliche Erklärung: Bei Stress produziert der Körper verstärkt Botenstoffe, die Rötungen und Juckreiz auslösen, Ausschläge und Ekzeme verursachen. Gehirn und Nervensystem tauschen ständig Informationen über diese Botenstoffe aus. »Gelingt es uns in Trance, Problemfelder aufzulösen, Seelenstress abzubauen und das Gehirn mit neuen Bildern und Botschaften zu füttern, werden weniger Botenstoffe freigesetzt, sagt Experte Blohm. Und die Allergiesymptome verschwinden. Erfolgsquote: 95 Prozent.
Mit Hilfe der Hypnose ist es möglich, Gedächtnisinhalte zu blockieren oder auch zu aktivieren und somit lange Vergessenes wieder zu erinnern. Es lassen sich sogar Worte ins Bewusstsein rufen, die gesprochen wurden, als die betroffene Person ohnmächtig oder in Narkose war. Dieses Phänomen ist seit langer Zeit bekannt. Jetzt haben israelische Forscher die Gehirnregionen identifiziert die am Wiedererlangen der Erinnerung nach einem kurzzeitigen Verlust des Gedächtnisses beteiligt sind. Und das sogar bei einem so dramatischen Ereignis wie einem Schlaganfall.
Hypnose wirkt auch bei Stress.
Durch Hypnose wird die Ausschüttung von Stresshormonen gesenkt und das Immunsystem angeregt, was heissen könnte, dass Hypnose ein ideales Mittel zur Stressbewältigung sein kann.
Nachgewiesen ist der Erfolg inzwischen auch bei Reizdarm-Syndrom, Tinnitus, Bruxsisimus, Schnarchen, Suchtkrankheiten, Essstörungen und Phobien (Ängste). Und Prof. Dirk Revensdorf von der Uni Tübingen ist es jetzt sogar in Tests gelungen, Patienten mit chronischem Herpes zu helfen. Sein Fazit: Der Versuch stärkt das Immunsystem und hat den Heilungsprozess in Gang gesetzt.
In Amerika wird Hypnose inzwischen begleitend bei der Versorgung von Brandopfern eingesetzt. Mit beeindruckenden Ergebnissen: Der Heilungsprozess konnte bei allen Patienten um fast ein Drittel verkürzt werden. In Trance werden die Produktion von Antikörpern hochgefahren, die Ausschüttung von Endorphinen angeregt, Blutdruck und Hautwiderstand gesenkt.
„Ich weiß nicht, wie lange ich mich mit meinem Helfer ausgetauscht habe, aber noch immer verspüre ich diesen tiefen inneren Frieden, dieses Gefühl von Geborgenheit, sobald ich meine Augen schliesse. Nach der Sitzung fühlte ich mich wie neugeboren. Und in den nächsten Nächten schlief ich endlich wieder fest und tief“, berichtet eine Klientin. Doch wie ist es möglich, dass oft eine einzige Hypnose-Sitzung genügt, um mich von meinen Schlafstörungen zu kurieren“? Stellt sie sich die Frage.
Eine Studie des Londoner University College kommt zu dem Ergebnis, dass in tiefer Trance völlig andere Gehirnareale aktiv sind als im Alltagserleben. Viel unmittelbarer als in einem normalen Gespräch können Hypnotisierte direkt auf ihr eigenes Unterbewusstsein einwirken und auf diese Weise oft weit über ihre scheinbaren Möglichkeiten hinauswachsen. In Trance haben wir nachweislich einen Einfluss auf körperliche Prozesse.
Was passiert bei einer Sitzung?
Nach einem ausführlichen Vorgespräch begleitet der Therapeut oder die Therapeutin den Klienten oder die Klientin in die Tiefe des Bewusstseins und sieht vor, dass ein Trancezustand entsteht, in welchem das Tagesbewusstsein nicht vollständig aufgegeben wird.
Was ist mit der Angst vor Kontrollverlust und dem Gefühl, dem Therapeuten ausgeliefert zu sein?
Niemand kann uns zwingen, Dinge zu tun, die wir im Wachzustand ablehnen würden. Befehle werden nur angenommen, wenn wir damit einverstanden sind. Bei Gefahr kann das Unterbewusstsein die Hypnose sekundenschnell beenden, selbst dann, wenn wir uns in tiefster Trance befunden haben.
Hypnose ist keine Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit, sondern macht konzentriert und entspannt.
Betroffene sagen, dass sie jedes Wort konzentriert mitbekommen und sich durchaus präsent fühlten. Ausgeblendet wurden lediglich störende Außengeräusche.
Grundsätzlich ist jede Hypnose eine Selbsthypnose, denn es braucht immer das Einverständnis des Klienten.
„7.13 Uhr – mein Blick auf den Wecker ist das Letzte, woran ich mich erinnern kann. Danach ist nichts. Nur Dunkelheit. „Schlaganfall“ lautete die Diagnose meiner Ärzte." Doch davon bekam die Klientin nichts mit. Zwei Wochen ver¬brachte sie in einer Art Zwischenwelt war we¬der hier noch woanders. Als sie wieder zu sich kam, war sie halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. Untersuchungen zeigten: Das Kurzzeitgedächtnis war blockiert, die intellektu¬ellen Fähigkeiten waren auf das Niveau eines Kindes gesunken. Nach ein paar Wochen waren nahezu alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Fast alle. Denn da gab es noch eine Spezialistin, die mit Hypnose arbeitete. In ihrer Verzweiflung klammerte sich Marien Winter an diese letzte Chance. Und das Wunder ge¬schah: Während meiner Trance-Sitzungen unternahm ich Reisen ins Innerste. Ich besuchte mein Gehirn, stellte mir vor, wie ich zerstörte Nervennetzwerke wieder miteinander ver¬knüpfte oder in besonders schweren Fällen mit einem Schweißbrenner verband. Ich sah diesen Daten-Highway, dessen Spuren immer wieder unterbrochen wurden. Und ich nahm die losen Enden auf - erschuf so nach und nach ein neu¬es Netz. Es war mühsam - aber nach jeder Hyp¬nose-Stunde hatten sich meine geistigen Fähig¬keiten ein Stück weit regeneriert. Heute bin ich zwar nicht vollständig geheilt - doch ich brau¬che keinen Rollstuhl mehr. Und ich bin geistig wieder so fit wie vor meinem Schlaganfall. Aber ich weiß: Ohne meine Trance-Reisen hätte ich das nie geschafft".
(Auszug: Happinez - Journal)